24. Juni 2020

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Was ist Emotionales Essen?

Von Ilga Pohlmann

Zum Mitnehmen aus der Folge
Emotionales Essen ist nicht einfach nur viel Essen und keine Disziplin. Übermäßiges Essen ist ein Symptom für ein darunter liegendes Problem. Es lindert einen Schmerz, der nicht gesehen werden will. Solange er nicht geheilt wird, tritt das Emotionale Essen immer wieder auf. Deshalb macht der Versuch, das Verhalten und die Ernährungsgewohnheiten zu ändern, so oft keinen Sinn.

Podcast-Transkript

Meiner Meinung nach passiert Emotionales Essen immer dann, wenn wir essen, ohne dass wir Hunger verspüren. Also immer dann, wenn wir aus irgendeinem anderen Grund, Lebensmittel konsumieren oder auch trinken, ohne dass wir hungrig sind.

Der Begriff „Emotionales Essen“ erklärt das Phänomen ziemlich gut, finde ich. Viele Leute, die sich bisher als „Vielfresser“ oder „verfressen“ angesehen haben, können mit dem Ausdruck Emotionales Essen sofort etwas anfangen: „Ah, das mache ich da also gerade! Klar, natürlich! Ich esse, wenn ich traurig bin. Ich esse, wenn ich wütend bin. Ich esse, wenn ich mich einsam fühle. All diese Gefühle kommen in mir hoch und als Ausgleich esse ich.“ – Die Gefühle motivieren quasi zum Essen. Stress motiviert zum Beispiel Stressesser zum Essen. 

Mit diesem Verhalten betreten wir gleichzeitig das große Feld der Sucht, und zwar der Essenssucht. Das Wort Sucht ist bei vielen Menschen negativ besetzt und wird folglich nicht so gerne benutzt. Wir zählen uns auch nicht gerne zu den Süchtigen. Die meisten Menschen denken gleich an Heroinsucht, Alkoholsucht oder andere Süchte, denen wir auf gar keinen Fall verfallen dürfen!

Die Definition von Sucht ist folgende: Man tut etwas, von dem man genau weiß, dass es einem nicht gut tut, und trotzdem macht man es immer wieder. 

Genau das passiert auch beim Emotionalen Essen. Man weiß eigentlich, dass einem das ständige Schokoladenessen nicht gut tut und doch tut man es immer wieder, weil es in dem Moment einfach eine kurze Erleichterung bringt. Wir fühlen uns in der Sucht wie gezwungen, etwas zu konsumieren oder etwas zu tun. 

Es gibt zwei Arten von Sucht. Sucht kann substanz- oder verhaltensbasiert sein. Die Ursache von Sucht ist jedoch immer dieselbe. 

Von Gabor Maté, einem mittlerweile ziemlich berühmten Arzt aus Kanada, der sich viel mit dem Thema Trauma und Sucht beschäftigt hat, stammt folgendes bekanntes Zitat:

„Die Frage ist nicht, warum die Sucht, sondern warum der Schmerz.“ 

Außerdem erklärt er:

„Nicht jeder Traumatisierte ist süchtig, aber jeder Süchtige ist traumatisiert.“

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Bei youtube findet ihr ebenfalls einen TED-Vortrag von Johann Hari, in dem es heißt:

„Das Gegenteil von Sucht ist nicht Nüchternheit, sondern menschliche Verbindung.“

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Mit diesem Satz nähern wir uns einem anderen Denkansatz zum Thema Sucht, der sich komplett von dem unterscheidet, was die Gesellschaft aktuell noch über Sucht denkt.

Normalerweise wird Sucht als ein Übel betrachtet, das über einen kommt, wenn der Konsum eines Suchtmittels zu häufig und in zu großen Mengen stattfindet. Deshalb sollte man von diesem Suchtmittel unbedingt die Finger lassen! Das Suchtmittel und das Suchtverhalten werden also wahrgenommen als etwas, das sehr viel Leid verursacht, und als große Gefahr eingeschätzt.

Ich sehe es nicht so. Ich denke, dass ein emotional gesunder Mensch Suchtmittel konsumieren kann und Taten, die süchtig machen können, wie zum Beispiel Einkaufen, ausführen kann, ohne süchtig zu werden. Wenn man durch das Suchtmittel oder -verhalten keine gravierende Verbesserung spüren kann, wenn hinter dem Konsum des Suchtmittels kein Schmerz steckt, lösen weder das Suchtmittel noch das Verhalten eine Sucht aus.

Sucht ist für mich ein Hilfeschrei. Man ist von einer bestimmten Situation überfordert und sucht sich deswegen ein Hilfsmittel.


Wie entsteht dieser Schmerz, der hinter der Sucht steht und diese aufrecht erhält?

Wir haben alle als Kinder Situationen erlebt, in denen wir überfordert waren, in denen wir den hochkommenden Gefühlen nicht gewachsen waren. Wenn in solchen Situationen niemand da ist, der uns erklärt, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen können und wie wir sie gesund verarbeiten, dann kann sich ein Trauma entwickeln. Ein Trauma entsteht dann, wenn ein Gefühl nicht verarbeitet wird und wir stattdessen versuchen, das Gefühl so weit wie möglich von uns zu schieben, es zu unterdrücken und uns abzulenken.

Wie sich viele wahrscheinlich erinnern können, ist das in der Kindheit ganz häufig üblich. Schnell ablenken, schnell Süßigkeiten essen, schnell trösten, schnell irgendetwas Anderes machen. Oder man bekommt zu hören „Halt den Mund, geh auf dein Zimmer!“ oder „Ich habe jetzt keine Zeit dafür.“ In diesen Augenblicken sind Kinder überfordert. Häufig trauen sich Kinder gar nicht, ihre Überforderung auszudrücken und darüber zu sprechen, weil sie denken, dass sie gerade falsch sind oder dass sie Schuld sind. In diesen Momenten kann es dazu kommen, dass die Reaktion des Kindes ist: das Gefühl so schnell wie möglich unterdrücken, es so weit wie möglich verdrängen. Das Trauma entsteht.

Das Gefühl, das mit dem Trauma verbunden ist, will allerdings immer wieder hochkommen und wird durch alle möglichen Situationen in unserem Leben getriggert. Das kann durch einen Geruch, durch einen Geschmack oder durch eine ähnliche Situation wie die von früher passieren und plötzlich regt sich dieses Gefühl wieder. Gleichzeitig regen sich in uns aber auch eine Angst, dieses überfordernde Gefühl nochmal fühlen zu müssen, und ein beschützender Teil, der uns davor bewahren will, dass wir wieder in eine ähnliche Situation kommen.

Diese nicht verarbeiteten Gefühle sind oft sehr unangenehm. Wir wollen sie auf keinen Fall nochmal spüren! Also haben wir mit der Zeit bestimmte Mechanismen gelernt und uns erarbeitet, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen. An dieser Stelle kommt das Suchtmittel oder das Suchtverhalten ins Spiel. Das Suchtmittel oder Suchtverhalten hilft uns, das unangenehme Gefühl für eine Weile wieder zu unterdrücken. Dabei helfen unter anderem Dinge wie Alkohol, Rauchen, Spielen, Sport oder Shopping.

Unsere ganze Gesellschaft besteht eigentlich aus diesen Ablenkungsmanövern, aus Ablenkungsmitteln, die uns wieder in eine bessere Stimmung versetzen können.

Auch Essen hilft wunderbar beim Unterdrücken. Leider nur kurz, aber es hilft. Solange wir kauen und schlucken und unser System damit beschäftigt ist, zu schmecken, es zu genießen, denken wir nicht an dieses Gefühl, an das wir sowieso nicht denken wollen. Es funktioniert also sehr gut.

Das Problem ist nur, dass diese Strategie des Essens uns auch daran hindert, wirklich einmal hinzuspüren und das Problem von Grund auf zu lösen.

Über die Jahre haben wir den Unterdrückungsmechanismus durch Essen oder andere Suchtmittel automatisiert. Das funktioniert wie beim Autofahren. Wir fahren ein Auto nach einiger Übung automatisch. Wir unterhalten uns während der Fahrt, hören Radio, telefonieren. Das Fahren an sich mit Bremsen, Gasgeben, Schalten etc. machen wir automatisch. Unser Gehirn funktioniert im Autopilot und spart auf diese Weise Energie.

Genauso passiert das auch mit dem Essen. Wenn wir durch irgendeine Situation getriggert werden und dieses Gefühl, das wir nicht fühlen wollen, angeregt wird und sich wieder zeigt, greift ein Automatismus in uns auf das Essen zurück. Denn wir wissen, dass das Essen uns wie ein zuverlässiger Freund immer geholfen hat. Diese eine besondere Speise hat uns geholfen. Oder Kauen hat uns geholfen. Dann greifen wir automatisch darauf zurück. Manchmal merken wir dann nach dem Essen: „Oh, ich wollte doch gar nichts mehr essen, aber jetzt habe ich es trotzdem getan!“

Wieso ist es dazu gekommen? Das läuft genau auf dieser unbewussten Ebene ab. Diese unbewusste Strategie hilft uns, die unangenehmen Gefühle zu überleben. Sie hilft aber nicht dabei, das Problem an sich wirklich zu lösen und bei der Wurzel zu packen.

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Der Weg zur Lösung

Um das Problem zu lösen, ist es, meiner Erfahrung nach, wichtig, diesen Schmerz einmal wirklich anzuschauen, ihn zu würdigen und zu akzeptieren, dass er da ist. Es geht darum, ihn einmal genau zu spüren, damit er transformieren und gehen kann. So verlässt er unser System. Daran hindern wir uns leider selbst, wenn wir immer wieder auf unsere unbewussten Strategien zurückgreifen.

Um den Schmerz gehen zu lassen, braucht es eine liebevolle Haltung sich selbst gegenüber. Wir brauchen eine Verbindung mit uns selbst und vielleicht auch mit anderen Menschen, die das gleiche Problem haben. Diese Menschen können sehen, dass dieser Schmerz wirklich heftig war und ist, und sich liebevoll einfühlen.

Beim Emotionalen Essen und auch bei vielen anderen Suchtmitteln ist es aber leider so, dass wir gerade durch den Konsum des Suchtmittels mit uns nicht mehr liebevoll (sondern eher verurteilend und vorwurfsvoll) umgehen. Wir verstehen einfach nicht, warum wir wieder gegessen haben, obwohl es uns nicht gut tut! Ganz schnell sind wir dann auf einer Schiene der Selbstverachtung, des Unverständnisses uns selbst gegenüber oder eines Versagensgefühls. Dieser lieblose Umgang mit uns selbst feuert den Schmerz erneut an, was uns wiederum zum Essen greifen lässt. Nach dem Essen verachten wir uns wieder selbst dafür, dass wir wieder das Essen gewählt haben.

Und so nimmt die Negativspirale kein Ende, sondern wird immer schlimmer. Diese gilt es zu durchbrechen, um das Phänomen Emotionales Essen endlich abstellen zu können.

Für mich ist die Lösung, um das Emotionale Essen als Strategie loszulassen, immer der liebevolle Ansatz. Uns selbst liebe- und verständnisvoll zu fragen, um welchen Schmerz es sich hinter der Sucht handelt, diesen anzuschauen und zu lösen.

Das braucht ein bisschen Zeit, Hinwendung, Verständnis und vor allen Dingen einen liebevollen Umgang mit uns selbst. Es geht darum, dass wir wieder Verbindung zu uns selbst aufnehmen, uns wieder spüren lernen und nicht immer den Schmerz verdrängen.


Die falsche Richtung

Dummerweise wählen wir meist den oberflächlichen Weg der Verhaltenssteuerung. Wir versuchen mit viel Kraft und mit viel Disziplin unser Verhalten zu verändern. Auf Dauer führt dieser Weg zu nichts, weil unser automatisiertes Programm, zum Essen zu greifen, um uns vor Schmerz zu schützen, immer wieder aktiv wird, wenn wir nicht aufmerksam sind. Das heißt, dass wir unser Verhalten vielleicht für ein paar Tage im Griff behalten können, wenn wir bewusst darauf achten. Aber sobald irgendetwas passiert, das uns diese Kontrolle über unser Verhalten aus der Hand nimmt, wir getriggert oder überfordert sind von einer Situation, werden wir doch wieder zum Essen greifen.

Deswegen halte ich überhaupt nichts davon, oberflächlich am Verhalten zu arbeiten, und zu versuchen, mit einer strengen Ernährungsumstellung und einer strengen Verhaltensveränderung zur Lösung zu kommen.

Meiner Meinung nach ist es immer wichtig, unser Verständnis für uns zu verändern, um daraufhin ein anderes Verhalten an den Tag legen zu können. Wenn der Schmerz gelindert ist, wenn das Problem, das den Schmerz erzeugt, aus der Welt geschafft wurde, dann ist es sehr einfach, das Verhalten zu ändern. Denn dieses Verhalten ist nur aufgrund des Schmerzes zustande gekommen. Es soll den Schmerz lindern. Wenn wir den Schmerz nicht mehr lindern müssen, dann gibt es das Problem Emotionales Essen nicht mehr. Das Emotionale Essen hat keine Aufgabe mehr.


Die große Hilfe

Mit reinem Willen und Disziplin kommen wir in der Sache einfach nicht weiter. Wir brauchen wirklich eine tiefere Arbeit, um die Selbstliebe wieder zu entdecken, sie zu speisen und liebevoller mit uns selbst umzugehen, uns selbst in den Arm zu nehmen und diesen Schmerz zu lindern, um dann das Verhalten ändern zu können.

Und diese Arbeit mache ich mit Hilfe der Klopftherapie und der Methode von Brittany WatkinsKlopfen macht es möglich, viel schneller an die Wurzel zu kommen und das Gefühl dann auch viel schneller verarbeiten zu können. Meist dauert es nicht länger als wenige Sekunden, bis sich ein quälendes Gefühl auflöst und für immer geht.


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