5. November 2022

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Emotionales Essen als Beschützer

Von Ilga Pohlmann

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Emotionales Essen schützt uns davor, unangenehme Gefühle fühlen zu  müssen. In uns arbeiten darüber hinaus noch viel mehr Anteile für unseren Schutz. Sie bewahren uns davor, wieder mit unserem Schmerz in Kontakt zu kommen. Wenn wir ihren Einsatz und auch den des Emotionalen Essens erkennen können, ist der Weg frei für Dankbarkeit ihnen gegenüber. Und damit können wir unsere Schutzstrategien allmählich loslassen und uns um den tiefer liegenden Schmerz kümmern. 

In diesem Post geht um etwas ganz Wichtiges, das du wissen musst, wenn du aus dem Emotionalen Essen aussteigen willst:

Dein System will dich immer beschützen. Alles in dir und auch deine Verhaltensweise haben einen guten Grund und arbeiten immer für dich. Auch das Emotionale Essen will nichts anderes als dir zu helfen ❤️ (Auch wenn du es wahrscheinlich einfach nur loswerden willst.)

Um das alles besser zu verstehen, müssen wir ein bisschen ausholen und gehen erstmal zum Thema des Traumas zurück.

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma hängt mit Gefühlen aus der Vergangenheit zusammen, die wir nicht ausreichend bearbeitet und gefühlt haben. Irgendeine Situation hat uns früher überfordert, so dass uns nur die Möglichkeit blieb, die ausgelösten Gefühle nicht weiter zu fühlen und sie von uns wegzusperren. An einen Ort, an dem sie uns möglichst sicher nicht mehr begegnen werden.

(Hier und hier kannst du ausführlicher über Trauma lesen.)

Was hat Emotionales Essen mit Trauma zu tun?

Hinter jeder Sucht, auch der Esssucht (dem Emotionalen Essen), liegt ein Schmerz. Dieser Schmerz ist meist bei traumatischen Erfahrungen entstanden und steckt bis heute in uns und lässt uns nicht ruhig und entspannt sein. Wir spüren vielleicht einen innerlichen Druck, ein unklares Unglücklichsein, sind dauernd gestresst oder haben einen anderen Leidensdruck. Das können alles Folgen eines Traumas sein. Und um dieses Unangenehme wegzumachen, machen wir Sachen wie zu viel essen, exzessiv Sport treiben, ein Glas Wein zu viel trinken, immer und ständig unter Leuten sein und so weiter. Also alle Sachen, die wir nicht aus Freude, sondern zur Kompensation und Ablenkung machen.

Das Trauma lösen

Jetzt bist du aber vielleicht an dem Punkt, dass du als erwachsener Mensch unter deinen Verhaltensweisen, unter deinem Emotionalem Essen leidest und etwas verändern möchtest. Du bist bereit, der Ursache auf die Spur zu gehen und dir das Trauma anzusehen, damit es erlöst werden kann. 

"Ich kann mein Trauma nicht sehen."

Vielleicht ist das Problem allerdings, dass du nichts sehen kannst. Du kannst dich nicht erinnern an das, was damals passiert ist, und kannst auch nicht klar benennen, welche Gefühle dir zu schaffen machen.

Und weißt du was: Das ist nicht ohne Grund so. Denn das ist genau die Natur des Traumas. Du bist beschützt!

Bild von Oliver auf Pixabay

Du möchtest dich vielleicht deinem Trauma nähern und es in Ordnung bringen. Aber es gibt sicherlich einen großen Teil in dir, der das für keine gute Idee hält! Es war zu schlimm! Er möchte nicht, dass du das nochmal fühlst und dich damit auseinandersetzt. Also mobilisiert er alle möglichen Schutzmechanismen und -strategien, um dich abzulenken. Damit du mit dem Schmerz nicht wieder in Kontakt kommst.

Schutzstrategien, um den Schmerz nicht mehr fühlen

Vielleicht schickt dir dein System Ärger oder sehr kritisches Denken über einen anderen Menschen. Oder du bist mit starken Selbstvorwürfen konfrontiert, weil du dich mal wieder nicht an deine Essensregeln halten konntest. Vielleicht wunderst du dich über deine starke Reaktion und bist mit den Gedanken darüber beschäftigt. Herzlichen Glückwunsch! Deine Schutzmechanismen haben sehr wahrscheinlich dafür gesorgt, dass du nicht zu stark mit dem Schmerz in Kontakt kommst und haben dir Gefühle und Situationen geliefert, die besser zu ertragen sind.

Oder dein System lässt dich nicht klar sehen. Wenn du nach innen spürst, ist da nur Chaos oder einfach nur Leere. Auch das funktioniert: Der Schmerz ist betäubt und kann dir nicht mehr schaden.

Das geschieht recht schnell und fast immer auch unbewusst.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Bei Menschen, die oft wütend über das Verhalten eines Elternteils werden, versteckt sich oft tief unter der Wut eine kaum zu ertragende Traurigkeit oder ein tiefes Mitleid, das nicht auszuhalten war. Sie waren als Kinder ohnmächtig, konnten nichts an der Situation ändern und waren mit den heftigen Gefühlen einfach überfordert. "Wenn es Mama zu schlecht geht, dann wird sie mich auch nicht mehr versorgen können!" Vielleicht verstehst du, dass diese Gedanken in einem fünfjährigen Kind absolut existenzielle Ängste auslösen können.

Wut als Schutz vor der Ohnmacht

Für uns ist es rein biochemisch kaum möglich auf Dauer in so einem Gefühlswirbelsturm zu bleiben. Wir müssen nach Lösungen suchen, um das Gefühl der Ohnmacht zu beenden. Der Wechsel zu Wut ist eine dieser Lösungen. Die Wut macht wieder handlungsfähig, führt aus der Ohnmacht und ist deutlich besser zu ertragen als das tiefe Mitleid.

Folglich wird die Wut zukünftig immer auf der Bildfläche erscheinen, wenn das tiefe Mitleid aus der Vergangenheit angetickt wird. Sie schützt den Erwachsenen davor, jemals wieder mit diesem Schmerz in Kontakt zu kommen. Sie ist ein Freund, ein Beschützer. Auch wenn man es gar nicht mehr nachvollziehen kann, warum sie da ist.

Unsere inneren Anteile arbeiten für uns.

Beim Klopfen sehe ich immer wieder, wie vielschichtige und wie intelligente beschützende Anteile wir in uns haben. Und sie wollen nur eins: uns vor dem Schmerz bewahren und uns in Sicherheit halten.

Dankbarkeit anstelle von Ablehnung

Immer wieder, wenn meine Klienten und Programmteilnehmer mit so einem inneren Anteil in Kontakt kommen und sie plötzlich sehen können, dass dieser Anteil sie beschützt, ist die Rührung und Dankbarkeit groß.

Meistens reagieren wir nämlich erstmal genervt oder wütend auf diese inneren Anteile. Jetzt setze ich mich hin und will in mich hineinfühlen und dann werd ich plötzlich so müde, dass ich mich nur noch hinlegen kann. So ein Mist! – Ja, die Müdigkeit kann auch so ein Beschützer sein.

Wenn du aber sehen kannst, dass die Müdigkeit dich vor dem tiefer liegenden Schmerz beschützen möchte, ist das wie ein Wunder. Und dann kannst du ihr dankbar sein und sie dafür wertschätzen: Danke, Müdigkeit, dass du mich beschützt, ich kann das jetzt sehen. Ich danke dir dafür!

Bild von Ra Mu auf Pixabay


Dein System schickt dir übrigens auch nicht umsonst den Essensdrang.

Emotionales Essen beschützt dich.

Ist der Stress, die Angst, die Traurigkeit zu groß, hilft das Essen dir. Das Essen beschützt dich vor der Heftigkeit des Gefühls.

Dein System hat gelernt, dass das funktioniert, und schlägt immer wieder, wenn es dir nicht gut geht, das Essen als Schutz vor.

Natürlich sagt dein System nicht zu dir: "Liebes, damit du nicht wieder mit deiner tiefen Traurigkeit in Kontakt kommst, schlage ich dir vor, eine Packung Eis zu essen." Nein, es schickt einfach nur diesen dringenden, nagenden Essensdrang.

Kannst du jetzt vielleicht ein bisschen mehr sehen, wie alles für dich arbeitet?

Das Rauchen, das Glas Wein zu viel, das Emotionale Essen, die Wut, die Müdigkeitsattacken, ... Es sind oftmals (unbewusste) Strategien, damit du beschützt bist.

"And there aren't any parts in anybody who don't want the person to heal. They just don't think it's possible." – Richard Schwartz, PhD

"Es gibt keine inneren Anteile in uns, die nicht wollen, dass wir heilen.
Sie glauben einfach nicht, dass es möglich ist."

Wir haben diese Lösungen in der Kindheit gefunden.

Diese Schutzmechanismen sind oft kindliche Anteile in uns. Meist haben wir sie uns schon ganz früh angeeignet und sie haben einfach nicht mitbekommen, dass wir mittlerweile erwachsen und damit handlungsfähig geworden sind. Sie halten uns immer noch für klein und wollen uns deshalb weiterhin mit aller Macht in Sicherheit bringen. Das ist ihre Lösung.

Was meinst du, ist es vielleicht an der Zeit, deine inneren Beschützer nach und nach in "die Rente" zu entlassen? Das Emotionale Essen langsam zu verabschieden?

Das Klopfen ist heute meine Hilfe.

Ich weiß, das Emotionale Essen lässt man nicht einfach so los. Zumindest war das bei mir nicht so und auch nicht bei den vielen Menschen in meinem Coaching und meinem Programm. Und deshalb stelle ich dir hier meine Lösung vor.


Bilder: Pixabay von Ryan McGuire, Oliver, Ra Mu

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