Zum Mitnehmen:
Jahrelang habe ich Vergnügen mit Glück verwechselt – den Zucker-Kick, die Aufregung, den kleinen Triumph. Erst als die Kicks weniger wurden, konnte ich etwas Neues wahrnehmen: ein leises, tiefes Glücksgefühl, das nicht kippt und keinen Entzug hat. In diesem Artikel erzähle ich dir, was Emotionales Essen mit Dopamin zu tun hat, warum wir so hartnäckig an unseren Kicks festhalten – und was auf der anderen Seite wartet, wenn das Pendel zur Ruhe kommt.
Über den Unterschied zwischen Vergnügen und Zufriedenheit – und was Dopamin und Serotonin damit zu tun haben
Jahrelang dachte ich, ich wüsste, wie sich Glück anfühlt. Das Kribbeln, wenn ich in ein Stück Schokolade biss, die Aufregung vor etwas Neuem, der kleine Triumph, wenn etwas klappte – das waren doch Glücksmomente, oder?
Erst als die Zuckerkicks weniger wurden und der Nebel im Kopf verschwand, konnte ich tiefer gehen. Die zuckerfreie Klarheit half mir, einen alten Schmerz in mir aufzuarbeiten und einen Unterschied zu erkennen: Das war gar kein Glück, sondern einfach nur Vergnügen, das mich vom Eigentlichen ablenkte. Glück ist etwas völlig anderes.
Ich hab das für mich so unterschieden:
Vergnügen ist laut. Es schreit "Mehr! Jetzt! Nochmal!" Es fühlt sich intensiv an, aber es hinterlässt eine Leere – wie ein Feuerwerk, das spektakulär ist, aber danach ist es dunkel.
Wie die schlechte Laune nach einem Schokoladenanfall, der Kater nach der Zeche oder das plötzliche Unbehagen nach zu viel Social Media, wenn das Handy zur Seite gelegt wird. – Irgendwie muss man danach immer dafür bezahlen.
Glück dagegen – echtes Glück – ist leise. Es flüstert. Es sagt nicht "mehr", sondern "es ist genug". Es fühlt sich an wie ein warmer Sommertag, an dem du einfach nur dasitzt und nichts brauchst und es kippt nicht. Es gibt keinen Entzug.
Und weißt du, was mich wirklich umgehauen hat? Ich konnte dieses leise Glück jahrelang gar nicht hören, weil die Kicks zu laut waren.
Das Pendel
Ich stelle mir das manchmal wie ein Pendel vor, das von Ekstase zu Drama schwingt. Hin und her und je weiter es ausschlägt, desto tiefer können wir auf der anderen Seite fallen.
Man kann das sogar hormonell beobachten (natürlich extrem vereinfacht):
Die Dopamin-Kicks – Zucker, Aufregung, der nächste Erfolg – das ist das Pendel, das in Richtung Ekstase ausschlägt. Manchmal geht es sehr hoch und dann wieder runter. Klar, das Ganze fühlt sich lebendig an, die volle Bandbreite der Gefühle. Aber dieses Schwingen ist auch anstrengend, denn das Pendel kommt nie zur Ruhe.
Und dann gibt es das Serotonin-Gefühl, eine Zufriedenheit, wenn das Pendel stillsteht. Kein Ausschlag nach oben, kein Absturz nach unten. Einfach Ruhe, einfach da sein. In Balance. (... jetzt ist auch klar, warum ich das früher nie verstanden habe!)
Es ist kein "gutes Gefühl" auf der anderen Seite des Pendels, sondern ein Grundzustand. Ich beschreibe es manchmal einfach mit: Liebe. Oder Anbindung. Oder "Ich bin genug, ich muss nichts tun."
Und ich sag dir: Als ich das zum ersten Mal in meinem Leben wahrgenommen habe, war ich wirklich verwirrt. Es war drama-frei und neutral und wenn ich es bewerten wollte, dann war “Gut” schon zu viel, denn da war kein Pendelausschlag Richtung Gut.
Es war ein Raum, den ich erst betreten konnte, als das Pendel ruhig stand. Etwas völlig Neues, das ich bisher nicht kannte und es hat mir Zugang zu dem gegeben, was ich mit meinem frühkindlichen Bindungstrauma mein Leben lang – ohne es zu wissen – vermisst hatte: Ruhe, Sicherheit und Vertrauen.

Warum wir festhalten
Wenn du das Pendel-Schwingen dein ganzes Leben lang kennst, dann ist es vertraut und täuscht Sicherheit vor. Es ist vielleicht anstrengend, aber es ist deins und du weißt, wie es funktioniert. Und es fühlt sich lebendig an!
Diesen Grundzustand der Ruhe – den kennst du nicht. Du weißt nicht mal, dass es ihn gibt.
Und dann soll man den Spatz in der Hand loslassen für eine Taube auf dem Dach, von der man nicht weiß, was sie einem bringen soll außer Kacke auf dem Hof? (Sorry für die Metapher, aber so fühlt es sich doch manchmal wirklich an.)
Warum sollte ich meine Kicks aufgeben – meinen Zucker, meine kleinen Belohnungen, meine Trostmechanismen – für etwas, das ich nicht kenne? Für etwas, das sich im schlimmsten Fall sogar wie nicht lebendig anfühlen könnte?
Ist doch klar, dass diese Sorge oder Angst uns im Pendel festhalten will.
Was auf der anderen Seite wartet
Ich kann dir nur erzählen, wie es für mich war.
Als ich anfing, die Dopamin-Kicks zu reduzieren – weniger Zucker, weniger Reizüberflutung, weniger ständiges Mehr-Wollen – war das erstmal richtig unangenehm, wie ein Entzug (was es ja auch ist).
Die ersten Tage fühlten sich leer an. Wo war das Vergnügen geblieben? Wo war der Trost? Es fühlte sich an wie Verlust.
Aber dann passierte etwas Unerwartetes.
Es wurde stiller in mir. Und in dieser Stille konnte ich plötzlich etwas wahrnehmen, das vorher immer da war, aber das ich nie gehört hatte.
Und dann hab ich das Klopfen gelernt und verstanden, wie ich diese Stille in mir noch viel einfacher erreichen kann.
Mittlerweile kann ich diesen Zustand immer öfter bewusst betreten.
Er kommt, wenn ich nicht getriggert bin, wenn ich Zugang zu meinem Herzen habe und mich entscheide, es zu öffnen. Wenn ich mich sicher fühle.
Bin ich ängstlich oder ärgerlich oder gestresst, dann bin ich wieder im Pendel und dann schwingt es wieder. Deshalb ist es auch so hilfreich, diese alten schmerzhaften Geschichte in uns aufzuräumen, damit wir seltener getriggert sind.
Aber selbst wenn es wieder passiert, ich weiß jetzt, dass es diesen anderen Raum gibt und das gibt mir extrem viel Halt.

Eine uralte Unterscheidung
Diese Unterscheidung ist übrigens nicht neu. Schon die alten Griechen haben zwei Arten von Glück unterschieden: Hedonia – das kurzfristige Vergnügen, der Genuss – und Eudaimonia – eine tiefere Zufriedenheit, ein gelingendes Leben.
Hedonia ist der Kuchen. Eudaimonia ist das Gefühl, am Ende eines Tages zu denken: "Das war gut so."
Beides hat seinen Platz. Aber wenn wir nur noch Hedonia jagen – den nächsten Kick, den nächsten Genuss, die nächste Belohnung – dann verpassen wir vielleicht das, was wirklich trägt.
Was passiert im Gehirn?
Wie oben schon erwähnt: Es gibt zwei Botenstoffe, die oft in einem Atemzug genannt werden, aber ganz unterschiedlich wirken: Dopamin und Serotonin.
Dopamin ist der Antrieb – das Wollen. Es belohnt dich für Zucker, für Likes, für den nächsten Erfolg, für die Versöhnung nach dem Streit. Es macht dich wach und hungrig nach mehr, und ja, es fühlt sich gut an. Aber es macht auch rastlos, weil es nie sagt "genug". Dopamin ist das Pendel, das ausschlägt.
Serotonin ist anders. Es ist das stille Zufriedensein, das "Ich bin genug, ich muss nichts tun." Das Gefühl, wenn du mit einer Freundin am Tisch sitzt und einfach nur da bist, oder wenn du abends im Bett liegst und denkst: "Heute war gut." Keine Aufregung, aber eine tiefe, tragende Ruhe. Serotonin ist das Pendel in Ruhestellung.
Jetzt kommt das Spannende: Wenn dein Dopaminsystem ständig auf Hochtouren läuft – durch Zucker, durch Stress, durch Reizüberflutung, durch das ewige Streben nach dem nächsten Kick – dann übertönt es das Serotonin. Das leise Glück geht unter im Lärm.
Ich vereinfache hier natürlich, das Gehirn ist komplex und Glück ist nie nur ein Botenstoff. Aber ich finde Denkmodelle – wie auch das Pendel – immer extrem hilfreich.
Was das mit emotionalem Essen zu tun hat
Emotionales Essen ist fast immer dopamingetrieben: der schnelle Trost, die Betäubung, der Kick. Schokolade nach einem stressigen Tag, Kekse gegen die Einsamkeit, Chips gegen die Langeweile.
Das Essen gibt uns einen kurzen Dopaminstoß und für einen Moment fühlen wir uns besser. Aber dann kommt die Leere zurück, oft stärker als vorher, und wir greifen wieder zu. Das Pendel schwingt.
Wenn wir lernen, diese Kicks zu reduzieren, passiert etwas Interessantes: Das Pendel kommt zur Ruhe. Und es entsteht Raum für echte Sättigung – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Wir lernen wieder zu spüren, was wir wirklich brauchen, wir werden emotional und nicht nur körperlich GENÄHRT.
"Herz statt Bauch füttern ♡" beschreibt genau diesen Übergang. Weg vom Dopamin-Kick, hin zur echten Nahrung für die Seele.
Das leise Glück hören lernen
Ich erzähle dir das alles, weil ich weiß, dass viele von euch gerade in diesem Prozess stecken. Jedesmal, wenn du versuchst, das Essen oder die Süßigkeiten einzuschränken, fühlt sich erstmal nicht wie Freiheit an, sondern wie Verlust. Wo ist das Vergnügen geblieben? Wo ist der Trost?
Ich verstehe das. Ich war da. Und ich hatte Angst, loszulassen.
Aber ich verspreche dir: Da ist etwas auf der anderen Seite. Etwas, das du vielleicht noch nicht kennst. Etwas so Schönes, dass es dich manchmal fast umhaut.
Aber dafür muss das Pendel erstmal zur Ruhe kommen. ♡
Wenn du jetzt aber erst mal den Weg über die Klarheit durch eine zuckerfreie Zeit nutzen willst, dann schau mal hier rein. Diese Aktion findet zwischen dem 30.01. und 11.02.26 statt:
Gratis-Aktion – Live-Serie
Zucker raus!
Dein Frühjahrsputz von innen
6 kostenlose Lives per Zoom
Damit du verstehst, warum du immer wieder zur Schokolade greifst und wie du da rauskommst.

