23. Mai 2022

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Emotionales Essen und Hochsensibilität

Von Ilga Pohlmann

Zum Mitnehmen aus der Folge

In dieser Folge spreche ich über einen möglichen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und emotionalem Essen. 


Wenn man als hochsensibler Mensch nicht gelernt hat, gut mit seiner Hochsensibilität umzugehen, kann es passieren, dass man von äußeren Reizen überrollt wird und als Schutz gefühlt seinen Körper verlässt. An dieser Stelle nutzen manche Hochsensible das Essen als Hilfe, um durch das Kauen, Schlucken und Spannen im Bauch wieder in den Körper zu kommen.

Podcast-Transkript

Hochsensibilität und Essen

In einer meiner Podcastfolgen hatte ich über eine der Eigenschaften gesprochen, die Menschen, die zu mir ins Programm kommen, häufig mitbringen. Natürlich bringt sie nicht jeder Teilnehmer mit, aber es ist eine typische Eigenschaft, die ganz häufig auftritt: der Perfektionismus.

Heute möchte ich über eine andere Eigenschaft sprechen und zwar über Hochsensibilität. Das Thema ist in den letzten Jahren etwas mehr in den Medien aufgekommen. Als ich davon das erste Mal gehört habe, schob ich es immer wieder von mir weg, weil ich dachte, dass es nichts mit mir zu tun hat und nicht zu mir passt.

Ich mag eigentlich auch nicht, wenn Menschen Stempel aufgedrückt werden. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Stempel manchmal für eine Weile ganz hilfreich sein kann, um für sich eine Sache einordnen zu können, die man vorher gar nicht verstanden hat. Genauso halte ich es eigentlich nicht für sinnvoll, sich dauerhaft den Stempel zuckersüchtig zu geben. Aber für eine gewisse Zeit, um der Sache irgendwie auf die Schliche zu kommen und sie zu fassen zu kriegen, halte ich die Bezeichnung für ganz hilfreich.

Warum dachte ich, dass Hochsensibilität nichts mit mir zu tun hat?

Ich habe immer gehört, dass man als hochsensibler Mensch extrem übersensibel ist, dass man nicht gut mit Leuten umgehen kann, nicht gut mit vielen Menschen auf einem Platz zusammen sein kann, dass man ziemlich schnell ausgelaugt ist und sehr angespannte Nerven hat.

Bild von @chairulfajar_ auf unsplash

Das passte für mich nicht. Einige Eigenschaften der Hochsensiblen passen einfach nicht zu mir. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht introvertiert, sondern eher extrovertiert bin und dass ich ganz gerne mit Menschen zusammen bin. Mit meinen Prägungen und mit all dem, was ich in meinem Leben erlebt habe, habe ich einfach immer sehr gern bei anderen Menschen angedockt und war gerne mit ihnen zusammen, um mich spüren zu können. Das passte also nicht so sehr mit Hochsensibilität zusammen.

Als ich mich dann aber mal mehr mit dem Thema beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass es ganz viele verschiedene Arten von Hochsensibilität gibt. Hochsensibilität kann sich körperlich bemerkbar machen. Das Schild vom Pulli im Nacken macht manche Hochsensible verrückt oder alle möglichen Arten von Stoff jucken bei ihnen auf der Haut. Das kenne ich zu gut. 

Eine andere Ausprägung von Hochsensibilität kann der Hörsinn sein. Man kann zum Beispiel nicht gut mit lauten Tönen umgehen. Andere Menschen haben sehr sensible Augen. Ich setze zum Beispiel sehr früh eine Sonnenbrille auf, weil ich nicht gut mit hellem Licht umgehen kann. Andere Hochsensible sind wiederum beim Essen sehr empfindlich. Sie vertragen viele Nahrungsmittel einfach nicht. Das Feld der Hochsensibilität ist also sehr groß.

Man sagt, dass ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sind. So wie ich das mittlerweile beobachte und auch beschlossen habe, das Phänomen Hochsensibilität anzusehen, denke ich, dass wir alle hochsensibel sind. Bei 80 Prozent der Menschen ist diese Fähigkeit einfach mehr verloren gegangen oder verlernt worden. Um in unserer Gesellschaft zu überleben oder Karriere zu machen, ist Hochsensibilität auf den ersten Blick nicht hilfreich. Und bei 20 Prozent sind viele Kommunikationskanäle einfach ein bisschen weiter offen geblieben oder das Talent bzw. das Vertrauen sie zu nutzen ist vielleicht etwas größer als bei Menschen, die eben nicht mehr hochsensibel sind. 

Da ich gerade Kanäle erwähne, fällt mir auf, dass es im Bereich der Hochsensibilität auch dieses ganz ganz große Feld gibt, das sich auch mit Esoterik und Spiritualität überlappt. Viele Menschen sind gerade in diesem Bereich hochsensibel, wehren sich jedoch dagegen, da sie mit Esoterik oder Spiritualität nichts zu tun haben wollen.

Ich bin doch hochsensibel.

Ich dachte, dass Hochsensibilität nichts mit mir zu tun hat, weil ich bestimmte typische Eigenschaften von Hochsensibilität nicht erfülle. Aber als ich das dann genauer betrachtet habe, habe ich bemerkt, dass da doch schon einige Überschneidungen sind. Zum Beispiel habe ich über die Jahre aufgehört, morgens mit der U-Bahn zur Arbeit zu fahren, weil ich das große Leid in den Zügen nicht mehr ertragen konnte. Diese vielen Menschen, die schlecht gelaunt waren und denen es überhaupt nicht gut ging. Ich habe diese Stimmung in der Bahn aufgenommen wie ein Schwamm und sie dann den Vormittag über mit mir herumgetragen. Als ich dann von der Bahn auf das Fahrrad umgestiegen bin, ist das sehr viel lockerer für mich geworden. Aber als ich dann nach dem Feierabend mit dem Fahrrad durch die für Fahrräder zugelassene Fußgängerzone gefahren bin, habe ich selbst da gespürt, wie sich meine Stimmung auf diesem kurzen Weg durch eine Menschenmenge verändert hat. Ich habe die Stimmung der Menschen aufgeschnappt und sie getragen. Das ist ein Teil meiner Hochsensibilität.

Damit kommen wir auch gleich zum Thema Essen und wie sich Hochsensibilität auf das Essverhalten auswirken kann.

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Hochsensibilität und Essen: Wenn man Essen zur Erdung nutzt und um sich wieder zu fühlen.

Vielleicht kennen einige von euch die Situation, dass ihr abends auf eine Party geht und eigentlich schon satt seid. Es gab bereits Abendbrot. Aber dann steht da so ein Buffet, von dem du trotzdem nicht die Finger lassen kannst. Und noch schlimmer: Du musst immer weiter essen. 

Auch in meinen Programmen und Einzelcoachings berichten mir immer wieder viele Menschen, dass es ihnen sehr schwer fällt, die Finger vom Essen zu lassen, während sie sich mit anderen Menschen unterhalten. Warum ist das so? Und was hat das mit Hochsensibilität zu tun?

Ich habe dazu eine eigene Theorie entwickelt.

Wie oben schon erwähnt, kann man als Hochsensibler ganz schnell in die Stimmung anderer Menschen rutschen. Man kommt zum Beispiel in einen Raum, sieht die anderen Menschen an und fühlt, dass dort gerade etwas los war. Oder man fühlt, dass es jemandem nicht so gut geht. Man kann einfach ziemlich schnell die Emotionen anderer Menschen über andere Kanäle als nur über die Sprache mitbekommen.

Ich beobachte, dass Hochsensible sich ganz häufig in anderen Menschen verlieren. Das heißt, du gehst auf eine Party, hörst zu, was da los ist, und fühlst die Gefühle der anderen Menschen. Du zerbrichst dir für andere Menschen den Kopf oder versuchst für sie eine Lösung zu finden. Oder du machst dir Gedanken, was sie gerade über dich denken. Das heißt, du bist mit deiner Aufmerksamkeit komplett bei deinem Gegenüber und nicht mehr bei dir.

Da kommen wir zu dem Problem:

Wenn keiner mehr bei dir ist, wenn du komplett mit deiner Aufmerksamkeit bei den anderen bist, dann ist bei dir niemand mehr zu Hause, dann ist niemand mehr für dich da.

Und das Gefühl ist einfach furchtbar. Dafür sind wir nicht geschaffen. Wir sind dafür da, dass wir in unserem Körper sind. Denn wenn wir in unserem Körper sind, dann fühlen wir uns auch. Und darum geht's.

Bild von SnapwireSnaps auf Pixabay

Für diese Erkenntnis musste ich erst richtig alt werden. Das ist etwas übertrieben, aber einige Jahre musste ich erstmal auf diesem Planeten verbringen, bis ich diesen Zusammenhang verstanden habe. Ich wusste nicht, dass es so etwas geben kann wie „Man ist nicht mehr im Körper“.

Wenn ich nicht mehr in meinem Körper bin, fühlt es sich so an, als ob meine gesamte Aufmerksamkeit oberhalb meines Kopfes ist und ich meine Füße und Beine gar nicht richtig spüren kann. Außer wenn ich mich stoße, stolpere oder mich schneide. Dann bin ich wieder mit meiner Aufmerksamkeit in meinen Füßen oder Fingern, denn dann tut es ja auch weh. Der Schmerz ist in dem Moment vielleicht auch eine Hilfe, die mir gegeben wird, damit ich wieder in meinen Körper rutschen kann. Ich habe ganz ganz viele Jahre außerhalb meines Körpers verbracht. Mit der Aufmerksamkeit war ich einfach immer nur im Kopf oder auch darüber.

Wenn man außerhalb seines Körpers ist, dann fühlt sich der Körper einfach nicht gut an. Ich glaube auch, dass das ein Grund dafür ist, warum sich der Körper nach dem Sport so angenehm anfühlt, weil man dann einfach alles bewegt hat und man mit der Aufmerksamkeit überall im Körper ist.

Bild von Irina L auf Pixabay

Dieses Gefühl beschreibt man manchmal mit Erdung. Es ist ein sehr angenehmes, geborgenes, heimeliges Gefühl. Viele Hochsensible verlieren dieses Gefühl sehr häufig, wenn sie es tagsüber überhaupt fühlen können. Viele Hochsensible haben ganz häufig nicht das Gefühl, in ihrem Körper zu sein, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Was kann man machen, um wieder in seinem Körper anzukommen?

Es gibt viele Möglichkeiten, um wieder in den Körper zurückzukommen. Man kann sich zunächst aber des Problems bewusst werden, dass man gar nicht in seinem Körper ist.

Viele Menschen, die mit diesem Problem kämpfen und das Essen als Lösung gewählt haben, landen bei mir. Aber nicht jeder Hochsensible, der außerhalb des Körpers ist, isst besonders viel. Jedoch hat eine Gruppe unter den Hochsensiblen die Lösung gewählt, sich als Hilfe Essen zu holen, um wieder in ihren Körper zu rutschen.

Das geschieht häufig auf einer relativ unbewussten Ebene. Die Menschen, die diese Lösung gewählt haben, sagen sich ja nicht: "Ok, ich kaue und schlucke jetzt, damit ich mich wieder spüren kann." Nein, sie spüren einfach, dass sie ihren Körper und ihre Grenzen wieder besser spüren können, wenn sie kauen und schlucken und der Bauch so stark gefüllt ist, dass er richtig spannt. Das ist eine sehr gute Hilfe, um sich selbst zu fühlen. Das würde auch total gut funktionieren, wenn es nicht mit einem anschließenden schlechten Gewissen und schlechter Laune verknüpft wäre. Häufig wählt man auch nicht Lebensmittel, die dafür da sind, dass man mit guter Energie und Nährstoffen versorgt ist, sondern eher die nicht so gesunden Lebensmittel. Deshalb fühlt man sich nach diesem leeren Versuch des „Erdungsessens“ auch nicht so gut.

Die Möglichkeit zu essen, zu kauen, zu schlucken und den Bauch mit Essen zu füllen, hilft dir, wieder zurück in den Körper zu kommen. Das ist an sich erstmal ein gutes Gefühl.

Es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten, die du nutzen kannst, um wieder in deinen Körper zurückzugehen. Das sind Dinge wie raus in die Natur zu gehen, sich zu erden, z.B.

  • Bäume anzufassen
  • die Hände auf den Rasen zu legen
  • richtig in der Erde zu wühlen
  • draußen barfuß zu gehen

Solche Dinge können dich wieder mit der Natur in Verbindung bringen und gleichzeitig auch mit deinem inneren Kern.

Duschen, unter Wasser stehen hilft mir zum Beispiel ganz gut. Bewusstes Atmen kann gut helfen. Oder mit der Aufmerksamkeit ganz bewusst durch den Körper gehen: Kann ich meine Füße spüren? Kann ich meine Waden spüren? Kann ich meine Knie spüren? Und so weiter bis zum Kopf hochgehen.

All das oben im Kasten und noch viel mehr kann helfen, dass du wieder zurück in den Körper kommst. Es ist ein Weg, von der Lösung des Essens hin zu anderen Lösungen zu gehen, denn ganz häufig will man sich der schnellen Lösung des Essens bedienen, weil sie so gut funktioniert und man sie seit Jahrzehnten nutzt. Da muss man manchmal ganz schön diszipliniert sein, um eine andere Lösung zu wählen.

Wenn die Situation gerade sehr fordernd ist, greift man vielleicht häufiger auf die alte Lösung zurück. Das passiert – wieder mal – nicht bewusst, sondern das passiert automatisch. Dann findet man sich plötzlich wieder und hat die ganze Packung Schokolade aufgegessen. Aber mit der Zeit kann man in diese Richtung sehr viel lernen. Es geht darum, immer häufiger zu merken, dass man eigentlich den Rückzug in den eigenen Körper braucht und nicht das Essen. 

Noch besser hilft natürlich das Klopfen. Mein Joker schlechthin. Mit dem Klopfen kann man nachgucken, warum man so häufig aus dem Körper herausrutscht. Was ist eigentlich der Grund dafür? Was fehlt mir denn eigentlich? Warum habe ich Probleme damit, mit mir selbst in Verbindung zu gehen? Wovor habe ich Angst? Was könnte da in mir aufgedeckt werden? Was ist denn da das große Problem? Das kann man klopfen und in Ordnung bringen.

Wenn du den Eindruck hast, dass Hochsensibilität und emotionales Essen für dich eine Rolle spielen, dann ermutige ich dich, dich in der Richtung ein bisschen weiter zu informieren. Wenn du gern von mir mehr zu dem ganzen Thema hören möchtest, dann komm gern in das Endlich frei essen!-Programm.


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