1. Februar 2024

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Emotionales Essen und das Einschlaftrauma

Von Ilga Pohlmann

Zum Mitnehmen: 
 Alleine einschlafen lernen kann für ganz kleine Kinder ein enormes Unsicherheits- und Mangelgefühl verursachen, das noch Jahre später ein treibender Faktor für eine Essstörung wie Emotionales Essen sein kann.

Was ist ein Einschlaftrauma? 

Ein Kind kann einen traumatisierenden Moment erleben, wenn es abends allein im Schlafzimmer liegt und schlafen soll. Für Babys ist es eine sehr große Aufgabe, sich selbst zu beruhigen, zu entspannen und zum Schlafen zu bringen. Sehr oft endet das in Überforderung. Babys brauchen die körperliche Verbindung zur Bezugsperson. Also schreit das Kind, um Mama oder Papa zu sich zu holen.

Wenn dann niemand kommt, kann das für das Kind traumatisch werden. Das Gehirn des Kindes ist noch nicht so weit entwickelt, dass es sich sagen kann: "Ich bin in Sicherheit, meine Eltern sind nebenan im Wohnzimmer. Sie brauchen jetzt eine Pause. Ich kann in Vertrauen hier alleine einschlafen." Es spürt nur: Ich bin allein und niemand hilft mir.

Das kann zu Panik und zu Gefühlen wie Existenz- oder Todesangst führen ("Wenn niemand kommt, sterbe ich hier.") Das Kind ist im Hier und Jetzt. Es kann nicht voraussehen, dass die Eltern später dazu kommen.

In den Sitzungen mit meinen Klienten, in denen wir die 
Klopftechnik nutzen, zeigt sich, dass viele Menschen in diesen Augenblicken auch Ohnmacht erleben: "Ich kann nichts tun außer zu schreien." Und das bewirkt nichts. Die Situation erscheint hoffnungslos.

Emotionales Essen Schlafen

Schockstarre als Schutz

Die Gefühle können in dem Moment sehr intensiv sein und das Kind überwältigen. Als Schutz verfällt sein System in eine Schockstarre und spaltet sich von seinen Gefühlen und dem Körper ab. Das Kind ist dann erstarrt und hört auf zu weinen. In früheren Generationen waren viele Eltern dann zufrieden, denn das Kind "hatte gelernt, sich selber zu beruhigen". Sie wussten ja nicht, was unter Umständen wirklich passiert war.

Wenn ein Kind die Erfahrung, dass es auf sein Schreien oder Weinen keine Reaktion bekommt, häufiger macht, lernt es mit der Zeit: Mich hört sowieso keiner. Ich kann nichts ausrichten.

Dieses Erlebnis und diese unverarbeiteten Stressgefühle können dazu führen, dass der Mensch lernt, dass die Welt unsicher ist. Sein Vertrauen in andere Menschen kann schwinden und vielleicht wird er zu einem sehr kontrollierenden Menschen um das Sicherheitsbedürfnis zu erfüllen: Ich muss mich um alles selber kümmern. Sonst fühlt es sich sehr unsicher an!

Das wiederum überfordert und kann zur Erschöpfung führen. Wir Menschen sind soziale Wesen, aufeinander angewiesen und kümmern uns umeinander. Wenn man nun das Gefühl hat, sich um alles selbst kümmern zu müssen, kein Vertrauen in andere Menschen und das Leben hat, kann das auch zu einem Gefühl der Überforderung führen.

Essen als Schutz

Und an dieser Stelle kommt dann das Suchtmittel ins Spiel. Emotionale Esser essen dann – z.B. zur Belohnung für den anstrengenden Tag oder zum Trost oder auch einfach nur zur Beruhigung der Überforderung.

Das Trauma, das in der Kindheit erlitten wurde, meldet sich weiterhin im Erwachsenenalter. Es kann durch ganz verschiedene Situationen wieder hervorgeholt werden. Vielleicht hat die Freundin eine Zusage oder Verabredung abgesagt und genau das kann wieder das Gefühl des Verlassenwerdens und Alleinseins von damals wachrufen und weil das so unerträglich war, muss schnell das Essen her.

Bei den Menschen, die ich begleite, und natürlich auch bei mir selbst sehe ich immer wieder, wie sehr unsere frühkindlichen Erfahrungen unser heutiges Verhalten prägen. Gabor Maté sagt dazu:

"Trauma is the invisible force that shapes our lives. It shapes the way we live, the way we love and the way we make sense of the world."

Trauma ist die unsichtbare Kraft, die unser Leben formt. Es formt die Art, wie wir leben, wie wir lieben und welchen Sinn wir der Welt geben.

Das hört sich vielleicht unveränderlich an. Deshalb möchte ich gern betonen, dass wir das heilen können! Es geht meist nicht von heute auf morgen, aber es geht! Ich nutze dafür die Klopftechnik. Aber es gibt auch viele andere Herangehensweisen.

Weitere Infos:

Zu diesem Thema kannst du hier eine interessante Podcastfolge von Lea Hamann anhören. Sehr interessant! Nicht nur für Eltern, sondern vielleicht auch für dich persönlich und deine eigenen Erfahrungen.

Bild: Canva

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